3 Juli, 2025

Wenn der Sommer auf dem Höhepunkt steht – und du merkst, dass sich die Fülle schon wieder zu wenden beginnt.

Die Sonne hat ihren höchsten Punkt überschritten. Mit jedem Tag zieht sich das Licht ein wenig früher zurück – leise, fast unmerklich. Doch die Natur weiss Bescheid. Farben, Düfte, Aromen – alles explodiert noch einmal in Fülle. Diese Woche stehe ich in Winterthur vor der Bibliothek – und werde förmlich umgehauen vom betörenden, süss-warmen Duft der Lindenblüten. Eine olfaktorische Umarmung.

Jetzt ist die Hoch-Zeit der Gewürzkräuter – Rosmarin, Thymian, Oregano, Salbei – sie alle speichern die Kraft der Sonne in ihren ätherischen Ölen. Deine Küche wird zur Apotheke. Deine Sinne zur Erntehelferin. Auch Erdbeeren, Holunder und Himbeeren schwelgen in Geschmack und Süsse – alles ist bereit, sich dir hinzugeben.

Die Humoralmedizin beschreibt diese Phase als warm-trocken – die Feuerqualität zeigt sich draussen wie drinnen. Kein Wunder also, wenn Kreislauf und Gemüt zwischendurch nach Kühlung rufen.

Was dein Körper jetzt liebt und wie du ihn unterstützen kannst

Wenn du Hitze magst, geniesse sie mit allen Fasern – aber denk an dein Wasser. Und wenn dir die Sommerhitze zu schaffen macht, bist du nicht allein. Dein Herz schlägt stärker, dein Kreislauf ruft nach Unterstützung. Und du darfst antworten.

Trinke lauwarm statt eiskalt – dein Körper wird es dir danken. Kleide dich luftig, in Leinen oder Baumwolle. Und gönn dir kleine Erfrischungsrituale: ein kühlendes Unterarmbad, frisches Wasser über Füsse und Unterschenkel oder ein feuchtes Tuch im Nacken.

Deine Ernährung darf jetzt Leichtigkeit und Kühlung bringen: saisonal, regional – und mit einer Prise Bitter. Bitterstoffe unterstützen Leber und Galle, helfen dem Körper, überschüssige Hitze auszuleiten. Auch sauer wirkt ausgleichend. Vielleicht kennst du den Satz: „Sauer kühlt die Leber.“

Auch wie du zubereitest, zählt. Blanchieren, Dünsten, Dämpfen – das entlastet die Verdauung. Rohkost ist wunderbar, wenn dein Verdauungsfeuer stark ist. Für alle anderen: lieber sanft gegart. Denn dein Körper braucht Energie, um sich zu kühlen – nicht um zu kämpfen.

Kräuterbrot – geerdete Würze für den Sommer

Jetzt ist der Moment, deine Lieblingskräuter in ein herzhaftes Brot zu verwandeln. Es duftet nach Sommer und verbindet das Wilde mit dem Nahrhaften. Ein Fest für alle Sinne – und deine Küche wird zum duftenden Ritualort.

  • 350g Ruchmehl
  • 350g Vollkorndinkelmehl
  • 150g Roggenmehl
  • 20g Salz
  • 30 g Butter (oder Öl)
  • ½ Würfel Hefe
  • Ca. 6 dl Wasser (je nach gewünschter Knetkonsistenz)
  • Ca. 150g gemischte Kräuter (z.B. Thymian, Rosmarin, Oregano/Dost, u.a.)

Alle Zutaten zu einem Teig verkneten und ruhen lassen (ich lasse den Teig jeweils über Nacht im Kühlschrank ruhen. Dann morgens aus dem Kühlschrank holen und auf Zimmertemperatur akklimatisieren).

Teig nochmals kneten und in gewünschte Portionengrösse bringen (500g Brot oder kleinere Brötchen). Auf das mit Backpapier belegte Blech legen, nochmal kurz ruhen lassen und danach ca. 35-40 min. backen (je nach Ofen, je nach Grösse des Brotes, zu Beginn darf gerne mit 50% Feuchtigkeit beschwadet werden).

Aus dem Ofen nehmen, auf einem Gitter auskühlen lassen und geniessen.

Lammas – wenn die Sichel ruft

In der Nacht vom 31. Juli auf den 1. August feiern wir Lammas – auch Kräuterweih oder Schnitterinnenfest genannt, das Fest der Reife, der Ernte, des bewussten Schneidens. Es markiert den Übergang vom Blühen zum Ernten. Die ersten Schnitte werden getan – nicht nur auf dem Feld, sondern auch im Leben.

Lammas ist das Fest der Frauen in ihrer Königinnenkraft. Mitten im Leben, würdevoll, klar. Es geht um das Anerkennen dessen, was gewachsen ist – beruflich, familiär, seelisch. Und es geht um die Frage: Was darf nun gehen?

Was ist reif?
Was hast du erschaffen, genährt, begleitet?
Wo darfst du mit klarem Blick etwas beenden – damit Platz für Neues entstehen kann?

Vielleicht spürst du, dass es Zeit ist, eine Aufgabe abzugeben, eine alte Geschichte zu beenden, ein Lebenskonzept loszulassen. Lammas lädt dich ein, die Sichel in die Hand zu nehmen – mit Liebe und mit Kraft.

Kreativer Sommer: Sommerwiese im Glas – Kräutersalz zum Verschenken (auch an dich selbst)

Jetzt ist die beste Zeit, Wildkräuter zu sammeln – aber bitte mit Achtsamkeit. Nicht im Naturschutzgebiet, fernab von Strassen und Hundegassiwegen. Nimm nur, was du brauchst.

Dann verarbeite sie zu einem Wildkräutersalz, das nach Wiese, Wind und Wildheit schmeckt. Zum Verschenken – oder als Wintervorrat für dich selbst.

So geht’s: Pflücke von deinen Lieblingskräutern – wie Beifuss, Schafgarbe, Dost, Brennnessel, Gundermann oder Löwenzahn – die zarten, jungen Blattteile. 

Breite sie luftig aus und lass sie an einem schattigen Ort gründlich trocknen. Sobald sie rascheln, kommen sie mit grobem Meersalz (ca. 4:1) und ein paar zerdrückten Pfefferkörnern in den Mörser – oder in einen Mixer, wenn’s schneller gehen soll. Zerreibe alles zu einer Konsistenz, die dir gefällt.

Verpacke das Salz in Gläser – schlicht oder mit Etikette – und freue dich jedes Mal, wenn du deine Sommerwiese auf dem Teller schmeckst.

Heilpflanze des Monats: Malve – sanfte Königin der Schleimhäute

Wenn deine Schleimhäute sich trocken, gereizt oder empfindlich zeigen – sei es durch Hitze, Stress oder scharfe Nahrungsmittel – dann ist Malva sylvestris, die wilde Malve, eine wunderbare Begleiterin.

Mit ihrer kühlenden, befeuchtenden und schützenden Wirkung gehört sie zu den Heilpflanzen, die man kaum hoch genug schätzen kann. Schon die alten Griechen und Römer wussten um ihre Kraft, Pfarrer Künzle empfahl sie bei Blasenleiden, und in der Volksmedizin hiess es: 

„Die Malve im Garten hält den Doktor fern.“

Sie eignet sich bei Husten, Magenproblemen, Hautreizungen – innerlich wie äusserlich. Und weil ihre Schleimstoffe hitzeempfindlich sind, wird sie meist als Kaltauszug zubereitet oder als Öl verwendet – wie eine sanfte Pflanzendecke für deinen Körper.

Ein Lieblingsrezept: Malvenöl

So geht’s:

Fülle ein sauberes Schraub- oder Einmachglas locker bis zu drei Vierteln mit angetrockneten Malvenblüten. Verwende keine frischen Blüten, da ihre Schleimstoffe leicht zu Schimmel führen können. Übergiesse sie vollständig mit einem hochwertigen Pflanzenöl deiner Wahl – Olivenöl, Mandelöl oder Jojobaöl eignen sich gut. Achte darauf, dass alle Pflanzenteile vom Öl bedeckt sind.

Verschliesse das Glas und stelle es an einen warmen, aber nicht sonnigen Ort. Lass das Öl zwei bis drei Wochen ziehen und schüttle es gelegentlich sanft. Danach durch ein feines Sieb oder Tuch abfiltern und in dunkle Fläschchen umfüllen.

Malvenöl ist eine Wohltat für trockene, rissige oder gereizte (Schleim-)Haut – und eignet sich wunderbar als Grundlage für pflegende Salben. Sanft, heilend, einhüllend – wie eine Pflanzendecke für gereizte Haut. Ein Sommergeschenk an deinen Körper.

Deine Küche als Apotheke

Zwiebelwickel, Apfelessigwasser & ein warmes Tuch auf dem Bauch…
Erinnerst du dich, wie Hausmittel früher ganz selbstverständlich waren?


In meinem neuen Minikurs „Deine Küche als Apotheke“ entdeckst du diese Kraft neu – und lernst, sie sicher & wirksam für dich zu nutzen.


Mit Apfel, Honig, Ingwer & Co. baust du dir in 5 Wochen eine kleine Naturapotheke für zuhause.


Ohne unnötige Komplexität – aber mit Klarheit, Erfahrung und viel Freude am eigenen Tun.

👉 Wir starten online im August – deine Küche kann mehr, als du denkst.
Ich freu mich auf dich 💚 Melde dich schnell an, damit du einen VIP-Platz auf der Teilnahmeliste bekommst oder schreib mir, wenn du Fragen dazu hast.

Impressionen aus dem Kräuterspaziergang mit Sarah

Sarah war eine der Gewinnerinnen der Heilkräuterkursumfrage und weil Sarah gleich um die Ecke wohnt, haben wir das Pflanzengeflüster spontan in einen Kräuterspaziergang gewandelt. Auf Insta bzw. Facebook siehst du was wir so getrieben haben:

Menu