Säftefluss & Jahreskreis

Der Frühsommer entfaltet sich – spürbar, sichtbar, duftend. Wir gleiten vom Frühling in den Sommer, vom Osten in den Süden des Jahreskreises. Der Frühling – warm und feucht, beweglich wie der Wind – wandelt sich zur warmen, trockenen Sommerkraft. In der traditionellen europäischen Naturheilkunde (TEN) stehen wir jetzt mitten im Übergang zwischen Luft und Feuer. Die Natur streckt sich ihrem Höhepunkt entgegen, und auch wir dürfen aufblühen, lachen, lernen, tanzen und das Leben feiern.
War der Mai noch wechselhaft, fast ein wenig zögerlich, spüren wir nun, wie die Hitze des Sommers beginnt zu flirren. Die Tage werden heller, länger – bis zur Sommersonnenwende, dem Lichthöhepunkt des Jahres. Und auch wenn danach das Licht langsam wieder kürzer wird: In diesem Moment darf alles leuchten.
Die Zwillinge-Zeit lädt uns ein zu Austausch, Begegnung und Wissensdurst. Kurz darauf wechseln wir ins Wasserzeichen Krebs – und das bringt Fürsorge, Rückzug und seelische Tiefe mit sich. Feuer und Wasser begegnen sich – wie ein Tanz zwischen Aktivität und Gefühl, zwischen Strahlen und Innehalten. In der Humoralmedizin entspricht das den Elementen heiss-trocken und kalt-feucht – auch hier sucht das Leben stets den Ausgleich.
Vielleicht spürst du diesen Wechsel, wenn du barfuss im Morgentau stehst oder abends die Wärme des Tages in der kühlen Nachtluft verblasst. Lass dich berühren von diesen kleinen Übergängen – sie verbinden uns mit dem grossen Kreislauf des Werdens und Vergehens.
Und: Es ist Sammelzeit! Jetzt ist der ideale Moment, deine grüne Hausapotheke zu füllen. Frische Kräuter laden dich ein, verarbeitet, verrührt, verräuchert oder getrocknet zu werden. Wenn du dabei begleitet werden möchtest – vielleicht ist mein Kräutertag für alle Sinne genau das Richtige für dich (mehr dazu unten).
Körperzeit: Arme, Schultern & Lunge
Solange die Zwillinge das Zepter in der Hand halten, steht alles im Zeichen von Schultern, Armen, Händen und der Lunge (wenn wir Merkur dazunehmen). Diese Körperbereiche sind verbunden mit Kommunikation – innen wie aussen. Es ist eine gute Zeit, um Verspannungen zu lösen, frei durchzuatmen und dich mit deinem Atem zu verbinden. Vielleicht magst du dir eine wohltuende Schulter-Nackenmassage gönnen – oder deinen Händen nach dem Kräutersammeln ein kleines Pflege-Ritual schenken.
Handwaschpaste für Kräuterfrauen und Gärtnerinnen
- 1 EL Reismehl
- 1 TL Salz (oder Bimssteinpulver)
- 1 EL Mandelöl (ich hab Ringelblumenöl genommen)
- 1 EL Olivenöl
- 10 Tropfen reines ätherisches Rosmarinöl oder Sandelholzöl
Alles zu einer Paste vermischen und in ein sauberes Glas füllen. Wenn die Paste zu dünn ist, kannst du sie vorsichtig mit Reismehl dicker machen. Beschriften, kühl und trocken aufbewahren.
Anwendung: Eine kleine Menge in die Hände einmassieren, besonders bei hartnäckigem Gartenschmutz. Mit warmem Wasser abspülen und mit einer pflegenden Handcreme verwöhnen.
Wenn dann zur Sommersonnenwende der Krebs das astrologische Feld betritt, richtet sich der Fokus mehr nach innen: auf Brustraum, Haut, Lymphe – und aufs Fühlen. Bewegung, die fliesst – wie Tanzen oder Wasserübungen – kann dich unterstützen, dein inneres Wasser in Harmonie und Bewegung zu halten.
Apotheke auf dem Teller: Holunderküchlein
Wenn der Holunder noch blüht, dann los! Diese zarten, duftenden Dolden sind wie eingefangene Sommerpoesie. In feinem Pfannkuchenteig ausgebacken, entfalten sie ihren vollen Geschmack – ein Genuss mit Ahnenanbindung und einem Hauch von Magie.
Rezept für Holunderküchlein
- 6–8 frische Holunderblütendolden (nicht gewaschen, nur ausgeschüttelt)
- 125 g Mehl
- 1 Ei
- 150 ml Milch oder Pflanzendrink
- 1 TL Vanillezucker
- 1 Prise Salz
- Optional: 1 EL Mineralwasser
- Butterschmalz oder Öl
- Puderzucker zum Bestäuben
Mehl, Ei, Milch, Vanillezucker und Salz zu einem glatten Teig verrühren, evtl. etwas Sprudelwasser hinzufügen. Holunderblüten direkt in den Teig tauchen und in heissem Fett goldbraun ausbacken. Auf Küchenpapier abtropfen lassen, mit Puderzucker bestäuben und am besten draussen geniessen.
Juniletter – Warum dein Körper jetzt barfuss laufen will und was Holunder damit zu tun hat.
Der Holunder galt als Wohnort von Schutzgeistern – insbesondere Frau Holle wurde mit ihm verbunden. Seine Blüten wurden traditionell als schweisstreibendes Hausmittel geschätzt. Ein Holunderküchlein zur Blütezeit war daher auch immer ein kleines Ritual: ein Dank an die Natur, ein Segen fürs Zuhause.
Vielleicht magst du bei der Holunderblütenernte einen Segen sprechen?
„Holunder, alte weise Frau,
ich danke dir – ich nehm ganz genau
nur das, was ich gut brauchen kann,
das schenke mir, dann geh ich dann.
Gesegnet sei dein heiliger Hort,
mein Dank geht leise, Wort für Wort.“
Im Jahreskreis: Sommersonnenwende bewusst erleben
Du brauchst kein grosses Ritual – folge deiner Intuition. Vielleicht entzündest du eine Kerze in der Dämmerung, vielleicht tanzt du ums Feuer oder sammelst Beifuss für dein Kräuterräucherbündel. Vielleicht sitzt du auch einfach im Gras, lauschst den Vögeln und lässt die Sonne in dir nachklingen.
Der 21. Juni lädt dich ein, das Licht zu feiern – und dich zugleich daran zu erinnern, dass jede Blüte irgendwann Frucht wird. In vielen alten Kulturen wurde ein Sonnwendfeuer entzündet, es wurde gesungen, getanzt, und mit Beifussgürtel mutig über die Flammen gesprungen. Wenn du magst, gestalte deine ganz eigene Form davon – in Rot, mit Symbolen der Fülle und einem Lächeln im Herzen.
Pflanze des Monats: Johanniskraut – Sonnenkraft in Blütenform

Wenn das Licht am höchsten steht, blüht das Johanniskraut. Es ist die Pflanze des Hochsommers – goldgelb, kraftvoll, durchwirkt von Licht und Tiefe. Ihre Blüten gelten als Träger von Wärme, Trost und Regeneration.
Erkennungsmerkmale: Goldgelbe Blüten mit schwarzen Pünktchen am Rand, länglich-ovale Blätter mit kleinen „Löchern“ (Sekretbehälter), ein harter Stängel mit zwei Längskanten – all das hilft dir, die Pflanze sicher zu bestimmen. Wenn du eine Blüte zwischen den Fingern zerreibst, tritt der charakteristische rote Pflanzensaft aus – das sogenannte Johannisblut.
Wirkung & Anwendung: In der TEN ist Johanniskraut warm und trocken – also durchwärmend, lichtvoll und nervenstärkend. Es wird bei Melancholie, nervöser Unruhe, Wetterfühligkeit, Erschöpfung, Hautproblemen und vielen weiteren Beschwerden eingesetzt.
Die Irisdiagnostik zeigt besonders bei neurogener Konstitution – ein Erkennungsmerkmal sind feine, helle Stromafasern in der Iris – eine gute Ansprechbarkeit auf Johanniskraut.
Wissenschaftlich belegt sind die stimmungsaufhellenden, entzündungshemmenden und wundheilenden Effekte. Innerlich als Tee oder Tinktur, äusserlich als Öl oder Wickel – Johanniskraut ist eine vielseitige Heilpflanze.
Achtsamkeit: Achte auf mögliche Wechselwirkungen bei Medikamenteneinnahme. Bei sehr heller Haut kann hohe Dosierung zu Lichtempfindlichkeit führen. In spagyrischer oder homöopathischer Form ist Johanniskraut gut verträglich.
Grüne Medizin zum Selbermachen: Johanniskrautöl

Dieses tiefrot leuchtende Öl ist ein wahres Sonnenelixier. Es hilft bei Prellungen, Sonnenbrand, Nervenschmerzen, Verspannungen – oder einfach, wenn du dich nach Licht und Wärme sehnst.
So geht’s: Sammle blühendes Johanniskraut mittags, bei Sonne. Zerkleinere es mit den Händen (was eher zäh ist) oder einem (Keramik-) Messer, gib es in ein Schraubglas (ca. ¾ voll) und übergiesse es mit kaltgepresstem Olivenöl.
Stelle das Glas an einen hellwarmen Ort (nicht direkt in die pralle Sonne). Täglich leicht schütteln. Nach etwa vier Wochen oder einem Mondzyklus durch ein Tuch abseihen und in dunkle Flaschen füllen. Beschriften, kühl und lichtgeschützt lagern.
Ritualtipp: Setz dich vor dem Ernten und/oder Ansetzen des Öls oder Tinktur kurz hin, atme tief und danke der Pflanze. Vielleicht magst du der Natur ein passendes Geschenk da lassen oder ein paar Tropfen Öl auf dein Herz streichen oder auch beim Abfüllen eine kleine Intention formulieren – für innere Ruhe, Licht, Freude.